IMG_1561Hinsichtlich der prähistorischen Geschichte der Ortschaft belegt ein bei der Anlage des Sielhorster Friedhofs gefundenes Steinbeil, dass schon vor über 5000 Jahren Menschen den hiesigen Boden betreten haben.

Vermutlich war diese Gegend vor allem Jagd- und Durchzugsgebiet für die Steinzeitmenschen, da die wenigen Steinzeitfunde nicht auf eine dichtere Besiedlung (wie u.a. auf Varler Gebiet) hindeuten. Mit Ausnahme der höher gelegenen Teile der Ortschaft war eine Besiedlung dieses feuchten Gebietes in Urzeiten kaum möglich. Auch die wahrscheinliche Bedeutung des Namens Sielhorst („Siel“: Wasserlauf, „Horst“: Wald, Gestrüpp) ist ein Indiz für diese damals unwirtliche Gegend.

Sielhorst wird unabhängig

Die Ortschaft Sielhorst gehörte bis Ende 1848 zur Gemeinde Varl. Sie zeigte aber eine gewisse Eigenständigkeit; da hier ein Hilfsvorsteher eingesetzt war und eine Nebenschule bestand. Zum 01.01.1849 erfolgte die Trennung von Varl und damit die Entstehung der selbständigen Gemeinde Sielhorst. Die Gemeindepolitik lag damals in den Händen der 6 Gemeindeverordneten und des Gemeindevorstehers.

Der Aufbau des Ortes

Vordringliche Aufgaben der jungen Gemeinde Sielhorst waren der Neubau einer Schule, der Straßen- und Wegebau und dringend notwendige Entwässerungsmaßnahmen. In regenreichen Jahren standen große Teile der landwirtschaftlich genutzten Flächen unter Wasser. Letzteres Problem konnte aber nur überörtlich mit Hilfe der im Jahr 1850 im damaligen Amt Rahden gegründeten Wassersozietät gelöst werden. Nach dem Ausbau der großen Vorfluter (Große Aue, Kleine Aue, Diekfluss) und dem Ausbau der Entwässerungsgräben im Rahmen der Flurbereinigung in den 1960er Jahren gehörten die Überschwemmungen der Vergangenheit an.

Eingliederung zur Stadt Rahden

Aufgrund der kommunalen Neugliederung wurde die Gemeinde Sielhorst seit dem 01.01.1973 eine Ortschaft der Stadt Rahden. Die politischen Entscheidungen für ehemaligen Gemeinden wurden seitdem vom Stadtrat getroffen (anstelle der früheren 7 Gemeinderäte und der Amtsvertretung).

Die Investitionen bzw, Bauplanungen konzentrierten sich danach in Sielhorst auf den weiteren Ausbau der Wasserversorgung und der Kanalisation in Siedlungsgebieten, einzelne Wegebaumaßnahmen sowie die Ausweisung neuer Siedlungsgebiete an der Lemförder Straße und am Schulhof.
 

Überblick zur Sielhorster Geschichte

01.01.1849 Gründung der selbständigen Gemeinde Sielhorst nach Trennung
von der Gemeinde Varl; Vorsteher Warner u. 6 Gemeindevertreter.
Bis dahin gehörte die Bauerschaft Sielhorst zur Gemeinde Varl, hatte
aber eine gewisse Selbständigkeit: Nebenschule, Nebenkasse
innerhalb des Gemeindehaushalts.

1849 Neubau eines Schulgebäudes (zunächst einklassig) auf dem
Grundstück Schwettmann Nr. 48, das die Gemeinde erworben hat
te. Schulbetrieb bestand bereits vorher in Form einer Nebenschule
seit 1785 im „Blanken Spieker“. 1880 wurde eine größere Schule
mit 2 Klassenräumen und Wohnung für den 2. Lehrer gebaut.

1850 Gründung der Wassersozietät im Amt Rahden (heute Wasserver-
band Große Aue), Beginn des Ausbaues der Großen Aue und
des Großen Dieckflusses

1876 Errichtung des Kriegerdenkmals in Sielhorst

1876 Kreisstraße von Sielhorst nach Brockum (heute L765) wurde
fertiggestellt

1882 Bau der Sielhorster Windmühle durch den Müller Johannes

1883 – 1888 Bau der Tielger Chaussee (heute Wagenfelder Straße)

04.03.1890 Gründung des Bauernvereins zu Sielhorst (heute Landw. Ortsver-
band

1896 Gründung der Sielhorster Brandkasse (Feuerversicherung)

1900 Bau des Feuerwehrgerätehauses, nachdem Sielhorst eine Feuer-
spritze erhalten hatte

1909 Schwere Überschwemmungen im Spätsommer

1922 Anlegung eines Friedhofes in Sielhorst an der Lemförder Straße

08.12.1922 Gründung des Gesangvereins „Frisch auf“ Sielhorst
12.09.1925 Gründung des Schützenvereins Sielhorst

1926 Abschluss des Mitte des 19. Jahrhunderts begonnenen Entwässe-
rungsprogramms

1928 –1930 Bau der Gemeindeverbindungsstraße von Varl durch Sielhorst
(Lütgenloh) bis nach Kleinendorf (Westerlage)

1929 Erweiterung der Schule von 2 auf 3 Klassen und Errichtung des
Glockenturms auf dem Schulgebäude

08.11.1934 Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Sielhorst

1948 Gründung des Reichsbundes (heute SoVD) – Ortsgruppe Sielhorst

1949 100-Jahrfeier der Gemeinde Sielhorst mit großem Umzug und
reger Beteiligung der Bevölkerung

1953 Absturz eines englischen Düsenjägers beim Wohnhaus Delicat.
Das Mädchen A. Dalibor und der Pilot kamen dabei ums Leben.

1959 – 1960 Neubau der Sielhorster Schule mit 3 Klassenräumen, 2 Gruppen-
räumen und Gymnastikraum und 2 Lehrerwohnungen;
Kosten rund 300.000 DM

25.02.1961 Gründung des Rassegeflügelzuchtvereins Sielhorst

1963 – 1969 Flurbereinigungsverfahren in Sielhorst (gravierende Veränderung
der Landschaft)

ab 1967 Ausweisung von Siedlungsgebieten im Ortskern Sielhorst
bis heute entstanden im Ortskern ca. 50 Baugrundstücke.

Aug. 1968 Aufgrund der Schulreform Schließung der Volksschule Sielhorst –
Übergang zur Grundschule Varl. Danach wird/wurde das Gebäude
verschieden genutzt: Wohnungen, Übergangswohnheim,
Sparkassengeschäftsstelle, Gewerberaum, Versammlungsraum
Schießsport und ab 1992 als Dorfgemeinschaftsraum.

1970 – 1971 Bau der Friedhofskapelle (Einweihung am 22.11.1971)

01.01.1973 Bildung der Stadt Rahden und Auflösung der Gemeinden des
Amtes Rahden

1974 – 1975 Bau einer Reithalle durch die Familie Warner-Bunge, Sielhorst,
und dem Reiterverein Varl-Rahden

1991 – 1992 Umbau der Klassenräume im Erdgeschoss der Schule als Dorfge-
meinschaftsraum unter großer Beteiligung aller Sielhorster Vereine
und unter Regie des Ortsvorstehers Wilhelm Kopmann.
Die Maßnahme wurde wegen Schließung des einzigen Saales
in der Ortschaft (Gasthaus Mönkedieck) dringend nortwendig.

12.4.1992 Einweihung des Dorfgemeinschaftsraumes

3.3.1994 Gründung des Heimatvereins Sielhorst

1997 Schaffung eines Grillplatzes im ehemaligen Schulgarten und
kontinuierliche Gestaltung / Durchforstung des verwilderten
Fichtenbestandes („Sielhorster Urwald“) durch den Heimatverein

1999 150-Jahrfeier der Gemeinde/Ortschaft Sielhorst mit 2-tägigem
Programm und Ausstellung in und um die ehemalige Schule

2003 Abriss der Gebäude der ehemaligen Bäckerei und Gaststätte Wa-
genfeld, Ausweisung weiterer Wohnbauflächen

2003 Errichtung des Göpelhauses am Grillplatz (Schulgarten)

2009/2010 Neubau eines Radweges an der Lemförder Straße (L 765) im Orts-
zentrum Sielhorst. Der Radweg besteht nunmehr entlang der L 765
von der Einmündung Sielhorster Weg bis zur Straße Höferort/
Friedhof. Gleichzeitig wurde im Ortskern die Landstraße im Bereich
der Einmündung Springeldamm verbreitert und eine Linksabbieger-
spur geschaffen sowie Überquerungen für Fußgänger und Radfahrer.
Der Radweg ist einige Jahre später bis zu den vorhandenen Wegen
in Kleinendorf ausgebaut worden, so dass eine Radwegver-
bindung zum Stadtzentrum besteht.