Die Sielhorster Windmühle

Windmühlen der unterschiedlichsten Bauart bestimmten lange Zeit unser Landschaftsbild. Als markante Punkte erhoben sie sich aus der Ebene und gehörten zum gewohnten Bild des Dorfes.
Schade, daß die alte Sielhorster Windmühle auf dem Grundstück Möller am 3. Januar 1976 von einem Orkan erfaßt wurde und mit lautem Donnergetöse in sich zusammenfiel, sonst wäre sie - wenn es die Bausubstanz noch zugelassen hätte - unter Umständen in den Genuß der im Mühlenkreis angelaufenen Mühlenrestaurierung gekommen und unser Ort hätte vielleicht im Verbund mit dem Radwegenetz des Mühlenkreises eine interessante touristische Anlaufstation erhalten.


Die Mühle in den zwanziger Jahren

Der gelernte Müller namens Johannes, der aus Pr. Ströhen stammte und ein bärenstarker Mann gewesen sein soll, errichtete in einer vorbildlichen Gemeinschaftsleistung mit den Sielhorster Bürgern im Jahr 1882 die Windmühle. Wilhelm, der Sohn des Müllers, betrieb die Anlage bis 1926.
Wilhelm Möller aus Varl übernahm nun die Mühle. Noch vor dem letzten Krieg wurden die Flügel abmontiert. Anstelle der Windkraft nutzte man nun einen Sauggas- und einen Elektromotor zum Antrieb der Mahlgänge.
Ein 90jähriger Zeitzeuge aus Sielhorst, der mehrere Jahre beim Müller Möller angestellt war, erinnerte sich noch an so manche Einzelheit :
Die Mühle besaß zeitweise drei Mahlgänge: einen Gerstengrützemahlgang, einen Weizen- und einen Schrotmahlgang. Die Mühlsteine wogen über 40 Zentner.Die Steine des Mauerwerks stammten aus heimischer Umgebung.
Am Morgen oder am Spätnachmittag, manchmal auch gegen Abend kamen die Bauern mit Pferd und Wagen und brachten die mit Korn gefüllten Säcke zur Mühle. Hier war ein regelrechter Treffpunkt. Man hatte noch Zeit. Neuigkeiten wurden ausgetauscht. Oft spielte eine Windflaute den Wartenden einen Streich. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Säcke an der Mühle zu lassen und am folgenden Tag, sofern es der Wind gut meinte, wiederzukommen. Natürlich trugen alle Säcke als Kennzeichnung die jeweilige Hausnummer des Kunden, um Verwechslungen zu vermeiden.


Die Müllerfamilie Johannes vor ihrem Anwesen

Für das Mahlen von einem Zentner Korn waren damals 40 Pfennig zu entrichten. Man konnte auch anstelle des Geldes 4 Pfund pro Zentner an den Müller abführen. Diese Bezahlung in Naturalien verwendete er in seiner Schweinemästerei, die er nebenbei unterhielt. Die Transportkosten für Getreide, das vom Gestringer Hafen nach Sielhorst befördert wurde, betrugen damals 15 Pfennige pro Zentner.
Man kann sich gut vorstellen, daß sich in der Mühle die Mäuse ob des großen und verlockenden Nahrungsangebotes nur so tummelten. Also hielt sich der Müller eine "Betriebskatze", die auf den vertrauten Namen "Minna" hörte und unter den Nagern kräftig aufräumte.
Mit der Zeit zeigten sich im Mechanismus der Mühle erste Verschleißerscheinungen. Außerdem genügte die Technik nicht mehr den neuesten Anforderungen. So war zum Beispiel der Weizenmahlgang schon veraltet. Umfangreiche Reparaturen mußten auch durchgeführt werden, als eines Tages ein wie aus heiterem Himmel aufkommender Sturm erhebliche Beschädigungen verursachte. Diese Naturgewalt traf den Müller völlig unvorbereitet, denn schon seit Tagen herrschte eine große Windflaute.
Da zudem auf die Windkraft nicht immer Verlaß war, bediente man sich später eines Elektromotors als zuverlässige Antriebskraft.
Die Sielhorster Mühle verlor allmählich aus den o. g. Gründen ihre Bedeutung. Hinzu kam, daß bereits einige Bauern eigene Schrotgänge eingerichtet hatten und auch den Nachbarn ihre Hilfe anboten. Es gab dann noch die Möglichkeit, das Korn in der Rahdener oder in der Varler Mühle mahlen zu lassen.


Kornmahlen beim Nachbarn

Zum Bild: Nach Aussage der heutigen Bewohner handelt es sich um ein Treffen zum Kornmahlen im Jahr 1915 auf der ehemaligen Fangmannschen Stätte Nr. 62, heute Strefling. An die Namen der versammelten Personen konnte man sich noch erinnern.
Von links nach rechts: Wilhelm Grotkop, Willi Fangmann als Kind, Jenny Grotkop (später Amerika), Herta Grotkop, Luise Grotkop, geb. Spreen (Sundern), Wilhelmine Fangmann, geb. Grotkop, Hermann Lappe, Karoline Drunagel, ?, Anna Grotkop (Bremerhaven), Heinrich Fangmann, August Spilker.

Das Schicksal der alten Windmühle entschied sich dann im Januarsturm des Jahres 1976.


Die Mühlenruine nach dem Januarsturm 1976

Die Sielhorster Mühle aber sollte noch in unserer Erinnerung bleiben. Auch sie schrieb ein Stück Dorfgeschichte.


Die Mühle in den siebziger Jahren

In einer kaum noch lesbaren Zeitungskopie aus dem Jahr 1949 fanden wir folgende "Sielhorster Mühlengeschichte": Nun stand sie endlich, die Holländer-Windmühle. Die ganze Gemeinde hatte mitgeholfen: Steine gesammelt, Spanndienste geleistet und bei den vielen Handreichungen mit angepackt, die notwendig waren, solch komplizierten Bau unter Dach und Fach zu kriegen. Und während tagsüber die Schuljugend die ersten köstlichen Versteckspiele um diesen "unerforschten Grund" hielt, schnackten am Abend die Alten, wenn sie die Mehlsäcke holten, mit dem Windmüller über die Zeitläufe und auch manche Geschichte aus dem siebziger Krieg der gerade ein Dutzend Jahre vorüber war, wurde zum Thema. Johannes, der Müller war ein baumstarker Mann, der die Zentnersäcke wuchtete, wo andere ihr mühsames Tun hatten, die Last zu bewältigen. Ein paar Wochen stand der Bau und schon einmal war das Eichenkreuz, das die Flügelbäume im Mittelpunkt auf der Welle hielt, bei starkem Mahlwind gebrochen und mußte erneuert werden. Und vor wenigen Tagen, als der Wind böig vom Hollweder Holz hersprang, hatten sich wieder im neuen Balkenkreuz Risse gezeigt. Es war aber bei diesem Mal alles gut abgelaufen, und nun hielten starke Bandeisen den sperrigen Wellenendpunkt umschlossen. Auch heute ging der West stark und schnell. Der Müller löste die Sperre, und knarrend begannen die Flügel ihren Kreis zu schlagen. Wie von ungefähr ging der Blick des Mannes zum Flügelkreuz, und ein Fluch entfuhr seinen Lippen, als er Späne unter dem Bandeisen sich lockern sah.


Als sich in Sielhorst noch die Windmühlenflügel drehten

Da packte Johannes die rasende Wut. Er sprang mit gewaltigem Satz an den nächsten Flügelbaum und stemmte seine ganze Kraft gegen den Aufschwung, den dieser nahm. Er verlor den Boden unter den Füßen und hing wie ein lebendiger Pendel an dem klobigen Holz. Der Schweiß brach ihm aus allen Poren, während er sich mit verbissenem Grimm gegen die Kreisbewegung auslastete. Und das Unmögliche geschah. Im Aufwärtsgang kam die Flügeldrehung zum Stocken, das Knarren wurde schwächer und zitternd schwang der Flügel zurück. Aber mächtig fuhr der Wind in die Spanten und wieder drückte das Holz nach oben. Nun aber war der Geselle heran und klinkte die Sperre. Noch bebend und in starkem Schlage zitternd , doch gebändigt und gehemmt, hing das Flügelwerk über die Galerie, als sich Johannes von dem bezwungenen Holz löste, um mit Seilen die Nachsicherung zu schlingen. Blaß und verkrampft, die ungeheure Anspannung in der Nachwirkung spürend, nur tief in den Augen ein frohes Leuchten, stieg der Müller die Stufen zum Haus hinunter, und kräftig spuckte er in den Wind, als wenn das heißen sollte:

" Süh, Düwel, sau hebb ick die`n Schnippken schloan! "

Bilder der Sielhorster Mühle

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Kornmahlen beim Nachbarn
Kornmahlen beim Nachbarn
Mühle 1937
Mühle 1937
Mühle in den 70er jahren
Mühle in den 70er jahren
Müller Johannes v. d. Mühle
Müller Johannes v. d. Mühle
Sielhorster Windmühle
Sielhorster Windmühle
Zerborstene Mühle
Zerborstene Mühle



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